Das Wohl von Kindern und Jugendlichen wieder in den Mittelpunkt rücken

Der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. will mit dem Positionspapier „Kindeswohl in Zeiten von Corona und die Folgeerscheinungen“ auf die bedrückende Lage von Kindern und Jugendlichen im Angesicht der Pandemie hinweisen und stellt Lösungen vor, das dringend notwendige Hilfesystem für Kinder und Jugendliche aufrecht zu erhalten.

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie wird immer über die Situation von Kindern und Jugendlichen diskutiert. Viele Studien zeigen, dass gerade Kinder und Jugendliche besonders unter den Auswirkungen der Corona-bedingten Einschränkungen leiden. Seit mehr als einem Jahr findet kaum Präsenzunterricht statt, Vereinssport wurde ebenfalls weitgehend untersagt, und auch die pädagogisch wertvollen Klassenfahrten und Gruppenprogramme für Schüler:innen sind seit März 2020 nicht mehr möglich.

Daher positioniert sich der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. mit dem Arbeitspapier „Kindeswohl in Zeiten von Corona und die Folgeerscheinungen“ und will auf die bedrückende Lage von Kindern und Jugendlichen im Angesicht der Pandemie und der damit verbundenen Situation hinweisen. Zwar will die Bundesregierung zwei Milliarden Euro in die Förderung von Nachhilfeunterricht und Freizeitangeboten stecken, und das Bundesfamilienministerium hat unlängst die Aktion „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt“ gestartet. „Das sind sinnvolle Schritte. Aber die finanziellen Mittel für die Förderung von Nachhilfeunterricht und Freizeitangeboten sind beschränkt, und die Ausgaben des Bundesfamilienministeriums werden vorrangig für die Unterstützung bei Lernproblemen und Nachhilfeunterricht eingesetzt“, erklärt Reinhard Zwerger, erster Vorsitzender des Bundesverbandes Individual- und Erlebnispädagogik e.V. Der eingetragene Verein repräsentiert als führender Fachverband in Deutschland seit 1992 die Vielfalt der Arbeitsfelder der Individualpädagogik und der Erlebnispädagogik mit den Schwerpunkten Hilfen zur Erziehung, Klassenfahrten und Gruppenprogramme, Aus- und Weiterbildung und Erlebnistherapie.

Das Problem laut der Experten für Erlebnispädagogik: „Leider werden die Ebenen der Sozialkompetenz und psychischer Gesundheit bis dato weitgehend übersehen. Was zunächst eher ein Problem von bestimmten Zielgruppen war, die im Bereich ‚Hilfen zur Erziehung‘ aufgefangen werden sollten, ist inzwischen zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden. Spätfolgen sind dadurch oftmals vorprogrammiert“, sagt Reinhard Zwerger. Auch fehlten in hohem Maße menschliches Miteinander, Nähe und Entwicklungsfreiräume ohne Leistungsdruck, Bewegung, Erleben und Spiel zur gesunden, persönlichen und sozialen Entwicklung. „Durch den fehlenden Kontakt zu ihren Bezugsgruppen sind Kinder und Jugendliche vielfach belastet. Die virtuelle Welt bestimmt ihr Leben: Die ausschließlichen Kontaktmöglichkeiten durch Online-Angebote (wie Schulunterricht, Beratung, Betreuung) verstärken die Haltlosigkeit.“

Das sei eine untragbare Situation, kritisiert der Verbandsvorsitzende, die umgehend gebessert werden müsse. Deutschland verfüge über eine große Zahl bestens ausgebildeter Pädagog:innen, Erzieher:innen, Erlebnispädagog:innen, (Sport-)Trainer:innen, zahllosen Mitarbeitenden in Jugendhilfeeinrichtungen und vielen anderen Professionen, um Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, wieder Anschluss zu finden und auf Dauer handlungsfähig zu bleiben, sagt Reinhard Zwerger. „Doch dazu müssen die Unterstützer handlungsfähig sein, Hilfeformen müssen weiterhin unterstützt und ausgebaut werden, was in Anbetracht der aktuellen pauschalen Schließungen und Einschränkungen kaum möglich ist. Die Anbieter aus dem Bereich der Erlebnispädagogik verfügen über diese notwendigen Ressourcen, dürfen aber eben nicht arbeiten. Daher stößt die gesamte Branche an ihre Grenzen. Wir fordern dringend ein Umdenken!“

Die im Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. und darüber hinaus organisierten Experten hätten unter den gegebenen Bedingungen hinreichende Möglichkeiten entwickelt, das dringend notwendige Hilfesystem aufrecht zu erhalten. Im Bereich der Hilfen zur Erziehung beispielsweise wurden Möglichkeiten geschaffen, Beziehungsangebote oder Krisenintervention unter der Wahrung des Schutzes der Gesundheit der Pädagog:innen anzubieten. Auch im Bereich der Erlebnispädagogik hätten sich angepasste Methoden in großzügigen Naturräumen und Hygienekonzepte bestens bewährt, beispielsweise bei der Durchführung von Ferienprogrammen.

Reinhard Zwerger formuliert abschließend: „Wir appellieren an die Bundesregierung, alles Notwendige zu veranlassen, dass den professionellen Akteuren und Fachkräften wieder die Möglichkeit gegeben wird, für das Wohl der Kinder und Jugendlichen an und mit Schulen, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, für Kinder und Jugendliche zu arbeiten.“ Das wolle der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. mit dem aktuellen Positionspapier „Kindeswohl in Zeiten von Corona und die Folgeerscheinungen“ unterstreichen und fördern.

 

» Positionierung "Kindeswohl in Zeiten von Corona und die Folgeerscheinungen"

» Die Pressemeldung im PDF-Format

 

Bild: KokoColey - pixabay.com

 

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